Die vier letzten Lieder von Richard Strauss nach Gedichten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff entstanden 1948 in der Schweiz.
Frühling
Hermann Hesse
 
In dämmrigen Grüften
träumte ich lang
von deinen Bäumen und blauen Lüften,
von deinem Duft und Vogelsang.
 
Nun liegst du erschlossen
in Gleiß und Zier,
von Licht übergossen,
wie ein Wunder vor mir.
 
Du kennest mich wieder,
du lockest mich zart,
es zittert durch all meine Glieder
deine selige Gegenwart.
 
September
Hermann Hesse
 
Der Garten trauert, 
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.
 
Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.
 
Lange noch bei den Rosen
bleibt er Stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die (großen)
müdgewordnen Augen zu.
 
Beim Schlafengehen
Hermann Hesse
 
Nun der tag mich müd gemacht, 
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.
 
Hände, laßt von allem Tun, 
Stirn, vergiß du alles Denken, 
alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.
 
Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.
 
Im Abendrot
Joseph von Eichendorff
 
Wir sind durch Not und Freude
gegangen Hand in Hand, 
vom Wandern ruhen wir (beibe)
nun überm stillen Land.
 
Rings sich die Täler neigen,
es dunkelt schon die Luft,
zwei Lerchen nur noch steigen
nachträumend in der Duft.
 
Tritt her, und laß sie schwirren,
bals ist es schlafenszeit,
daß wir uns nicht verirren
in dieser Einsamkeit.
 
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